Ist Deutschrap antisemitisch?

Eretz Schland, Verstehen

Gerade wütet ja eine Debatte über die Frage, ob und inwiefern Bezüge auf antijüdische Clichés im Rap antisemitisch sind (wie kürzlich bei der ARD). Bei der Diskussion werden natürlich alle möglichen Dinge in einen Topf geworfen, die wir Rabbis als alte Rapfans außeinander halten wollen. Denn wo kämen wir denn hin, wenn jede Verwendung antijüdischer Clichés schon an sich antisemitisch wäre? Zurück im Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (hier). Und was wären wir dann eigentlich als Weisen von Zion, dem feuchten Traum aller Antisemit*innen?

Wenn aber Fard & Snaga rappen „Das hier ist nicht Berlin, und du bist nicht bei der Fashion Week / Das hier ist junge Wut gegen Politik aus Tel Aviv“, dann ist das a) einfallslos, b) langweilig und c) problematisch, weil es das (jüdische) Hipster-Babylon Berlin gegen die junge Wut setzt. Da hat der Rapper Ben Salomo im ARD-Video sicher Recht, dass es sich um eine Art Populismus im Rap handelt.

Wenn der auf diesem Blog schon gefeaturte Rapper Haftbefehl dagegen den Track „Ihr Hurensöhne“ mit „Saudi Arabi Money Rich“ kombiniert und im Video dazu eine Yves Saint Laurent Burka mit einer Ming-Vase, Rinderhälften mit einem Lacoste Krokodil und Baseballschläger mit Dom Perignon verschüttenden, schläfenlockigen Juden mischt, dann ist das eine (selbst-)ironische Konfrontation mit Clichés, die mit dem Auge zwinkert: „Long Nights in Dubai, ich roll‘ im Maserati, Bitch // Halal Dinar, ich fick‘ dein Illuminaten-Trip“. Kurz: guter Rap in der Ära des Pops. Und weils so schön ist, hier noch mal das Video von Haftbefehl:

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